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2014.01.20
Verschiedenes

Korea Open 2014

Korea Open 2014
Der einzige österreichische BWF-Schiedsrichter war bei den Korea Open 2014 im Einsatz (Foto: badmintonphoto.com)

Mein zweiter Besuch im „Land der Morgenstille“, wie Korea auch genannt wird. Nach meinem ersten Besuch 2006 in Incheon, einer an der Westküste gelegenen Hafenstadt und Vorstadt Seouls, sind wir, Carol aus IRL und ich, auch dieses Mal ebenda nach fast elfstündigem Flug, von Frankfurt kommend, gelandet. Wir wurden, nach einem einstündigen Bustransfer vom Flughafen, im Zentrum von Seoul, in dessen Großraum mittlerweile 25 Millionen Menschen leben, bestens untergebracht. Ein Beispiel für die Größenverhältnisse: die Untergrundbahn mit ihren 13 Linien befördert täglich mehr als 6,9 Millionen Fahrgäste. Das Netz wird selbst für Einheimische erst über eine App am Mobiltelefon oder Computer überschaubar. Die Turnierstätte befand sich im 1988 eröffneten Olympiapark, mittlerweile mitten in der Stadt gelegen und 30 Minuten Fahrt im Transferbus vom Hotel entfernt. Die Winter sind kalt wie in unseren Breiten, die Kälte kommt aus dem fernen Ostsibirien.

Die Weltspitze im Badminton war, mit ganz wenigen Ausnahmen, vollzählig vertreten und alle geleiteten Spiele bestätigten das sehr hohe sportliche Niveau. Meine vielen Einsätze als Schiedsrichter sind auf den hohen Anteil der Koreanischen Spieler und Spielerinnen zurückzuführen. Es wurde auf Neutralität geachtet, zudem waren nur sechs Gäste aus IRL, SIN, IDA, JPN (2) und AUT zugegen. Inklusive Herrendoppel-Finale hatte ich 14 Einsätze als Schiedsrichter, weitere 8x war ich als Aufschlagrichter eingesetzt. Referee war Carsten Koch aus GER. Beobachtet wurden wir vom Assessor Peter Ganes aus DEN. Er gab uns gute Tipps und Anregungen mit auf den Weg.

Gleich bei meinem ersten Match am Centercourt (TV-Live-Court), einem phantastischen Herrendoppel ¼ Finale zwischen KOR und JPN über 88 Minuten, durfte ich die Bekanntschaft mit dem neu eingeführten INSTANT REVIEW SYSTEM machen. Die Spieler erhalten die Möglichkeit zur „Challenge“ bei strittigen Linienentscheidungen. Acht (!) superschnelle Kameras, auf die Außenlinien gerichtet, machen in der Sekunde 250 Bilder, sind also zehn Mal schneller als das menschliche Auge. Das System wurde zum zweiten Mal eingesetzt. Das „wording“ des Schiedsrichters und die „signals“, auch des Referees, scheinen noch eine Vereinfachung zuzulassen. Nach der Kontrolle der Bilder auf den am Referee-Table platzierten zwei Bildschirmen durch einen der Referees wurde schnell klar: fast alle Entscheidungen waren Millimeterentscheidungen und manche noch knapper.

Mein Respekt gilt der ausgezeichneten Arbeit der rein koreanischen Linienrichtertruppe. Es gab nur sehr begrenzt Ausreißer und rund 75% der knappen Entscheidungen waren nach der Anwendung des I.R.S. perfekt. Die menschliche Komponente des auch Fehler Machens wird durch die Möglichkeiten der Technik nun etwas deutlicher dargestellt und somit hervorgehoben. Es kam vor, dass die Fernsehbilder, selbst in den Zeitlupenwiederholungen, nicht dasselbe Resultat, wie das neue superschnelle System brachten. Und dann sehen superschnelle Kameras auch nicht alles („Challenge unsighted“).

Im Fall von eindeutigen Fehlentscheidungen eines Linienrichters oder einer Linienrichterin und wenn dem Schiedsrichter oder der Schiedsrichterin die Sicht auf den Federball verdeckt bleibt, wird das System helfen eine sonst nicht korrigierte, falsche Entscheidung richtig zu stellen („Correction“). Das System wurde dieses Mal jedoch nur am Centercourt eingesetzt. Eine Chancengleichheit auf allen Courts ließe sich durch hohen technischen Aufwand herstellen. Auch der Bedarf an mehr Referees wäre einzukalkulieren. Wenn das nicht möglich ist, sollten die Spiele auf dem mit dem System ausgestatteten Court, der Fairness wegen und trotz des damit verbundenen erhöhten organisatorischen Mehraufwandes, immer ausgelost zu geordnet werden. Bei zwei Courts mit Systemausstattung ergibt sich eine Verdopplung der Chancen. Ein Referee muss immer die Letztentscheidung treffen.

Die konfuzianische Lebenseinstellung ist auch in ihrer modernen Form in Korea ausgeprägter als zum Beispiel in China oder Taiwan. Ein Einlesen in die 6.000 Jahre zurückreichende Kulturgeschichtliche Entwicklung Koreas hilft der Orientierung und so ein paar landesübliche Umgangsformen und Regeln zu verinnerlichen. Der respektvolle Umgang zwischen den Menschen ist auf Gemeinschaft und Familie ausgelegt und durch Respekt vor dem Alter und gesellschaftlichem Rang hierarchisch organisiert und so doch sehr unterschiedlich zu unserer westlichen Kultur des Individualismus. Zeigt man dafür Interesse und Verständnis, wird man schnell auf Händen getragen und regelrecht verwöhnt.

Einer der Höhepunkte ist das Kulinarische: das traditionelle „Kimchi“, eingelegter Kohl von scharf bis sehr, sehr scharf, kommt immer in mannigfaltigen Variationen auf den Tisch. Immer biegen sich die Tische ob der Vielfalt an Vegetarischem, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten, alles wird gekocht oder gebraten. Berühmt das Korean Barbecue, über Holzkohle gegrilltes Fleisch, zubereitet mitten am Tisch. Nur die ausgezeichneten Suppen, in großen gusseisernen Töpfen heiß serviert, lassen etwas Platz am Tisch. Kimchi gibt’s immer. Metallstäbchen und Löffel werden verwendet, die Stäbchen sind schwer und brauchen etwas mehr Übung im Umgang. Kein Tag ohne Ginseng-Tee. Eine Spezialität aus der Ginseng Wurzel, rot oder weiß, erfrischt mit natürlicher Süße und ist sehr gesund.

Ein gelungener Auftakt und rundum großartiger Super Series Event, mit USD 600.000 Preisgeld ausgestattet.


(Bericht: Klaus Schlieben)


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