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2014.09.09
Verschiedenes

Youth Olympic Games 2014

Youth Olympic Games 2014
Ein Foto aller "Technical Officials" der Badminton-Bewerbe bei den Youth Olympic Games 2014 - Klaus Schlieben ist der 5. von links (hinten)

Österreichs BWF-Schiedsrichter Klaus Schlieben wurde seitens des Weltverbands für den Einsatz als "Technical Official" bei den diesjährigen Youth Olympic Games in Nanjing nominiert und eingesetzt. Hier ein Bericht von ihm über seine Eindrücke dieser Veranstaltung:

Meine Einladung, Akkreditierung, zu den Olympischen Spielen der Jugend (U19) 2014 war eine Überraschung und die Freude daher groß, Österreichs Court-Officals dort vertreten zu dürfen.
Die Reise von Wien, über Zürich, nach Hongkong, weiter nach Nanjing, dauerte mehr als 24 Stunden. Die Einreise ohne Wartezeiten, vom Ankunfts-Gate an von sprachkundigen chinesischen Studenten und Studentinnen begleitet, Limousine zum Hotel und ein tolles Zimmer mit einem altbekannten Kollegen und Freund als Zimmergenossen, haben das jedoch schnell vergessen lassen.
Die Betreuung von Gästen hat Tradition in diesem Land und wir genossen die herzliche Aufnahme. Es ist keinesfalls alles möglich, aber man bemüht sich, und keiner wird böse, niemand verliert das Gesicht und es gibt immer eine Alternative. Nicht alle aus dem Westen können da gleich mithalten, doch das Lächeln überall ist ansteckend und gesund.
In Nanjing, einer der vier historischen Hauptstädte Chinas, am Beginn des fast 400 km langen Jangtse Deltas gelegen, einer Universitätsstadt mit rund acht Millionen Einwohnern zurzeit, wurden alle Wettkämpfe ausgetragen. Die Wettkampfstätten waren in der großflächig angelegten Stadt weit voneinander entfernt. Das Olympische Dorf, wo alle Spieler und Betreuer untergebracht waren, lag mehr als eine Stunde Busfahrt von unserer Halle entfernt. In der Metropole war viel Grün zu sehen und die Luft war auffallend sauber. Das tropische Klima allerdings spürte man von Tag zu Tag mehr, es wurde immer heißer und schwüler. Indoors surrten überall die Klimaanlagen.
Einer der 1.500 Shuttle-Busse, für die Spiele reserviert, war uns zugeteilt, Nr. 15 brachte uns sicher zur Halle und zurück, Fahrer und Begleiter freundlich jeden Tag.
Am Freitag, den 16., wurden wir eingekleidet. Am Samstag diente der Vormittag der Regeneration. Um 14:00 Uhr folgte das Briefing und abends 20:00 Uhr waren wir zu der Eröffnungsfeier ins Olympia-Stadion eingeladen. Ein grandioser Festakt folgte der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele durch Staatspräsidenten Xi Jinping, vor der Kulisse von mehr den 63.000 Zuschauern. Tausende Akteure mit Masken und bunten Kostümen, Flügeln und Standarten. Zu Musik und Lichtshow tanzend, Ballett und Akrobatik vom Feinsten großartig arrangiert, schafften die Hundertschaften eine Gänsehaut-Atmosphäre. Und wer sich dann noch zwischen den Zeilen zu lesen entschloss, schmunzelte und konnte das eine oder andere Zitat oder weltanschauliche Statement in der zweistündigen Show entdecken.
Am Sonntag begannen die Bewerbe um 9:00 Uhr. Die vier Court-Offical-Gruppen waren den ganzen Tag im Einsatz. Drei Gruppen waren „On Court“, eine Gruppe musste die strengen Werbebeschränkungen für die Spiele, mit in Summe sicher kilometerlangen Tapes, in allen Farben, durchsetzten. Die mit zu vielen Logos bestückten Dressen der Spieler und Spielerinnen, die ihrer Coaches und das gesamte Equipment, auch das Handtuch, selbst die Wasserflaschen durften kein Logo tragen, wurden regelwidrig aber weisungskonform übergeklebt. Mit einer rasch selbst entworfenen Check-Liste konnten ca. 20 Positionen pro Person überprüft und schriftlich festgehalten werden. Schon nach der ersten Schicht ging das schwarze Tape aus. Eine doch überraschende, zusätzliche und umfangreiche Aufgabe für die Court-Officals, die auch hier professionell agierten . Ein überklebtes Wappentier führte nach dem ersten Tag zu einer Reklamation eines Verbandes, mehr wurde nicht besprochen.
Gespielt wurde auf drei Courts, Nr. 1 war der Live- Court. Die ersten Tage waren acht Linejudges pro Spiel im Einsatz, die letzen zwei Tage waren es dann zehn Kollegen und Kolleginnen. Eine ausgezeichnete Gruppe aus China mit acht international sehr erfahrenen BWF Linejudges aus MIR, KOR, MAS, THA, PHI, IND, ENG und NED ergänzt.
Die Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen vertraten HKG, IND, SRI, VIE, IRI, PHI, GER, ITA, FRA, POL, AUS, UGA, MIR, CAN, USA und AUT, die zwei Court-Doctors kamen aus SWE und MAS. Das erfahrene Referee-Team bestand aus Carsten Koch/GER und Nahathai Sornprachum/THA.
Insgesamt 20 Einsätze, 12 Umpire- und 8 Service Judge-Einsätze konnte ich verbuchen. Den Höhepunkt stellte das Finalspiel am Freitag, den 22. abends, um Gold im Damen-Einzel, vor ausverkaufter Halle, zwischen der Japanerin Yamaguchi Akane und der Chinesin He Bing Jiao, dar. 76 Minuten lang durfte ich das spannendste und auch längste Spiel des Turniers leiten. (24:22/21:23/17:21) Das Score-Sheet hat mir der Referee geschenkt. Alle Matches wurden nach der guten alten Methode von den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern auf Papier festgehalten. Das System der IOC Time-Keeper war mit unseren E-boards nicht kompatibel.
Eine Überraschung: Es gab keine einzige gelbe oder rote Karte!
Die besten der U19 Spieler und Spielerinnen messen sich bereits auf sehr hohem Niveau und werden uns noch viele tolle Spiele bescheren. Der erstmals ausgetragene Mixed-Bewerb wurde ganz im Sinne des Olympischen Gedankens zur Vertiefung von Freundschaften rund um den Erdball genutzt und ist bei den Aktiven und Publikum sehr gut angekommen. Spieler und Spielerin waren einander zugelost. In mancher Pause konnte man vier Sprachen beim Coaching hören.
Die zwei Athleten aus Österreich, Janine Lais und Wolfgang Gnedt, haben sich ausgezeichnet geschlagen und bekamen sehr positive Kritiken von allen Seiten.
Nach einem interessanten Ausflug auf die imposante alte Stadtmauer und zu einem der historischen Stadttore wurde ich von einer, in der Stadt lebenden, Kollegin in einen ausgezeichneten Tee-Laden geführt. Begleitet vom Kollegen aus HKG, fand ich wunderbare Keramik und feinste Tees. Weißer und Roter Tee und ein 12 Jahre alter, in einer edlen Schatulle verpackter, zum runden Teeziegel gepresster Pu-Er erfreuten Augen, Nase und Gaumen. Und tun es noch. Am folgenden Tag habe ich mit Kollegen aus FRA, CAN, GER und HKG den Laden und die Teemeisterin dort nochmals besuchen dürfen. Anschließend ging es zum Semi-Final-Einsatz.
Überall in der Stadt traf man Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Spiele und erkundigte sich nach den anderen Sportarten und deren Verlauf. Da einige Bewerbe bereits in der ersten Woche abgeschlossen wurden, konnte man so manchem jungen Medaillen-Gewinner gratulieren.
Eine durchaus runde Sache, eine großartige Erfahrung und ein Highlight auf meinem Schiedsrichter-Weg.
(Bericht von Klaus Schlieben)

Fotos von Klaus Schlieben:


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