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2018.09.19
International

David von Schwerin

David von Schwerin
Das Schiedsrichterteam der WM in Nanjing mit Klaus Schlieben und David von Schwerin (beide rechts oben) (Foto: BWF)

Im Rahmen der Weltmeisterschaften in Nanjing (CHN) legte David von Schwerin erfolgreich die "BWF certificated umpire" Prüfung ab.

Bereits Ende letzten Jahres erreichte mich die erfreuliche Nachricht der BWF zur Nominierung für die Weltmeisterschaften 2018 in Nanjing. Erfreulich nicht nur deshalb, weil es meine erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft sein würde, sondern auch weil damit die Einladung zur Prüfung zum "BWF certificated umpire" - der höchsten Schiedsrichterstufe des Weltverbands - einherging.

Nach einem positiven Appraisal durch einen BWF-Assessor bei den Korea Open letztes Jahr wurde ich zusammen mit vier weiteren Kandidaten aus Estland, Lettland, Hongkong und Taiwan nominiert. Die Chance auf ein Upgrade erfolgte damit nur knappe drei Jahre nach meiner Prüfung zum "BWF accredited umpire" in 2015. Üblicherweise sind mindestens zwei Jahre zwischen den insgesamt vier Stufen (BEa/BEc/BWFa/BWFc) erforderlich. Bis dato hatte ich immer jeweils vier Jahre Abstand gehabt.

Wer an gute Vorzeichen glaubte, für den standen meine Sterne günstig. Nicht nur durfte ich die wichtigste Prüfung meiner Karriere quasi als Heimspiel in meiner alten Studienstätte Nanjing, wo ich 2006 eine prägende Zeit verbracht hatte, absolvieren. Auch mit meinen Weggefährten verbanden mich langjährige Freundschaften und gemeinsame Erlebnisse, war doch bei jeder Prüfungsstufe mindestens einer der anderen Kandidaten dabei - ob zur BEa 2007 in Tel Aviv, zur BEc 2011 in Helsinki oder zur BWFa 2015 in Saarbrücken. Und als Vater meiner Schiedsrichterkarriere war zudem auch Klaus Schlieben als Schiedsrichter mit von der Partie. "Yuanfen", wie man in China sagt.

Nun ist die Schiedsrichterei auch im Badminton mittlerweile natürlich ein beinhartes Geschäft, das auf diesem hohen Niveau mental alles abverlangt. Der ohnehin extrem hohe Leistungsdruck in der heutigen Zeit, wo jeder kleinste Fehler (ob tatsächlich oder vermeintlich) vom ersten Spiel an auf YouTube und Sozialen Medien landet, gepaart mit dem zusätzlichen Druck durch die lückenlose Beobachtung der vier Prüfer aus China, Frankreich, Kanada und Malaysia, die jedes noch so minimale Detail, jeden noch so kleinen Handgriff analysieren und auseinander nehmen würden - all dies gehört dazu und war Teil der Probe, die es zu bestehen galt.

Als Assessment-Kandidaten waren wir lediglich bis einschließlich des Viertelfinales im Einsatz. Trotzdem brachte ich es auf 17 Spiele. Und wenn man sonst bisweilen scherzhaft anmerkt, dass jedes Spiel ein Endspiel ist, dieses Mal fühlte es sich wirklich so an. Nach fünf Tagen Anspannung kam man an einen Punkt, wo man es - und das geb ich gerne zu - einfach nur mehr hinter sich bringen will. Da ich am Freitag die "Frühschicht" gezogen hatte, war der Abend zur freien Verfügung. Die Ergebnisse des Assessments wurden erst am Samstagvormittag um 10 Uhr in Einzelgesprächen bekannt gegeben. Oder besser gesagt: die Empfehlung der Assessoren an die BWF.

Das endgültige Ergebnis, beziehungweise die Bestätigung durch die BWF und damit die Verifizierung, erfolgte Anfang September und erreichte uns erst vor wenigen Tagen. Bis dahin musste das Ergebnis unter Verschluss gehalten werden - was letzten Endes der Grund für die Verspätung dieses Berichts ist. Das Warten war jedoch nicht vergebens. Denn mit diesem Entscheid bin ich nun seit September nicht nur der erst zweite österreichische Schiedsrichter, der diese höchste Stufe erreicht hat, sondern auch offiziell bis auf weiteres der derzeit jüngste BWF Certificated Umpire der Welt.

Neben meiner Familie, die über Jahre hinweg aufgrund dieses "verrückten Hobbys" zu kurz gekommen ist, gilt an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank natürlich der jahrelangen Unterstützung und Förderung durch den ÖBV und im speziellen durch das ÖBV-Schiedsrichterreferat mit Ewald Cejnek, Michael Nemec und Klaus Schlieben, die es mir trotz meines jahrelangen, beruflich bedingten Auslandsaufenthalts ermöglicht haben, mich auf dieses Level hochzuarbeiten und weiterhin für Österreich die Fahnen hochzuhalten. Das ultimative Ziel einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen rückt damit in greifbare Nähe.

David von Schwerin


Der Österreichische Badmintonverband gratuliert David von Schwerin herzlich zur bestandenen Prüfung als BWF Schiedsrichter und wünscht ihm für seine weiteren Ziele alles Gute.


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