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2021.08.18
International

Olympische Spiele in Tokyo

Olympische Spiele in Tokyo
David Schwerin mit Kollegen bei den Olympischen Spielen (Foto: Badmintonphoto)

"Dabei sein ist alles" lautet ein gängiges Motto der Olympischen Spiele. Und "dabei sein ist alles" bekam für mich bei den um ein Jahr verschobenen Spielen in Tokyo eine ganz andere Dimension. (Und das lag nicht nur daran, dass für mich als Schiedsrichter die Chance auf einen Medaillengewinn verschwindend gering war!) Nein, es waren ganz andere Sorgen, die mich im Vorfeld bedrückten.

Seit dem Ausbruch der Pandemie vor eineinhalb Jahren hatte ich meine Wahlheimat China nicht mehr verlassen. Über ein Jahr lang befanden wir uns hier in einem "Goldenen Käfig", fast vollständig befreit von jeglichen Restriktionen und Maßnahmen. Solange man eben das Land nicht verlässt. Bereits Monate vor den Olympischen Spielen stand fest, dass nach der Rückkehr nach Shanghai unbedingte 14 Tage zentrale Quarantäne in einem Hotelzimmer auf mich warten würden, gefolgt von weiteren 7 Tagen "Health monitoring" im Eigenheim.

Sofern eine Rückkehr überhaupt Erfolg haben würde. Zwar gelten für mich als "permanent resident" in Theorie dieselben Regeln, wie für chinesische Staatsbürger (soll heißen, ein Flug nach China aus einem anderen Land als meinem Reisepassland und ohne spezielles Visum ist prinzipiell möglich), in der Praxis steht und fällt das Ganze aber mit der Entscheidung der chinesischen Botschaft vor Ort, in deren Ermessen es liegt, wenige Stunden vor Abflug einen grünen Health Code auszustellen. Den Worst Case - eine mögliche Infektion in Japan - will man sich erst gar nicht ausmalen, dies würde eine Rückkehr für Wochen oder gar Monate ausschließen.

Mindestens einen Monat getrennt von der Familie für einen etwas mehr als einwöchigen Einsatz standen mir also bevor - was mit dem Näherrücken des Abflugdatums zunehmend gemischte Gefühle hervorrief. Speziell als in den wöchentlichen Briefings mit der BWF immer mehr klar wurde, was uns in Tokyo erwarten würde: ein Bubble-event ohne Publikum, Bewegungsradius strikt reduziert auf Hotel und Halle und keine Teilnahme an Eröffnungsfeier oder anderen Festlichkeiten. Ja, bis zum dritten Turniertag stand noch nicht einmal fest, ob wir überhaupt in der Halle sitzen durften, wenn wir nicht unmittelbar auf dem Feld im Einsatz waren.

Nicht nur einmal hatte ich mit dem Gedanken gespielt, die Reißleine zu ziehen und abzusagen. Nur das Bewusstsein endlich da angekommen zu sein, wovon ich 18 Jahre als Schiedsrichter geträumt und wofür ich - sehr zum Leid der Familie - über Jahre hinweg mit dem Gros meiner Freizeit hingearbeitet hatte, ließ mich daran festhalten.



Anreise

Einen großen "Vorteil" hatten die Spiele dieses Jahr, denn die pandemische Veranstaltung sorgte für ein Maximum an zeitlicher Aufmerksamkeit. Monate im Voraus kamen wir in den Genuss uns intensiv mit den Olympischen Spielen zu beschäftigen. Denn für die meisten begannen die Probleme bereits bei den Flugverbindungen. Es ist mir kein Schiedsrichter bekannt, dessen Flug nicht zumindest einmal gecancelt wurde; der ein oder andere hatte bis wenige Tage vor der geplanten Ankunft noch keine Verbindung. Wie ein Wunder ist nur eine der 26 BWF-Schiedsrichter mit einem Tag Verspätung eingetroffen.

Auch mein ANA-Flug wurde zwei Monate vor Abflug wenig überraschend storniert. Zu jenem Zeitpunkt war der Flug bereits schon lange nicht mehr im Programm, denn die chinesische Luftfahrtbehörde hat im Zuge der Pandemie die Flugverbindungen auf einen wöchentlichen Flug pro Airline und Destination beschränkt, um dem gewaltigen administrativen Aufwand mit der Einreisequarantäne Herr zu werden. Vier Flüge pro Woche gibt es also nur zwischen Shanghai und Tokyo (das ist weniger als manche Airline auf dieser Rennstrecke zu normalen Zeiten täglich hat). Und alle Verbindungen waren entweder unbuchbar oder überbucht - und hätten mich zeitlich 1-2 Wochen extra gekostet.

Auch das Reisebüro des Weltverbands rotierte im Kreis, um mögliche Verbindungen zu finden. Ohne Erfolg. Lediglich indirekte Verbindungen mit Transit in allen möglichen asiatischen Ländern waren buchbar - was von den chinesischen Behörden allerdings nicht erlaubt ist. Kurz vor der Aufgabe wurde mir schließlich auf kleinem Dienstweg vom chinesischen Verband eine Liste vom Außenministerium zugespielt, mit allen Flugverbindungen zwischen China und Japan für die zwei Monate - und der Anzahl freier Plätze.

Nur dadurch bin ich auf eine Air-China-Flugverbindung zwischen dem knapp 200 Kilometer entfernten Hangzhou und Narita aufmerksam geworden. Immer mittwochs geht die Maschine hin und retour - fast exakt auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. Buchbar nur lokal; das BWF-Reisebüro konnte den Flug außerhalb Chinas nicht buchen.

Einen interessanten Nebeneffekt hatte die Verbindung von einem kleinen Provinzflughafen. Scheinbar nur ein internationaler Flug verlässt die Stadt am Tag. Entsprechend hatten wir das internationale Terminal exklusiv für etwas mehr als 20 Passagiere "reserviert". Der feuchte Traum für jeden pandemischen Distanzhalter also. Eine Anreise per Privatflugzeug wäre nicht viel angenehmer gewesen.



Ankunft

Bereits 96 und 72 Stunden vor Abflug waren Nachweise über zwei negative PCR-Nasalabstriche von einem von der japanischen Botschaft akkreditierten Labor notwendig. Einer davon musste entsprechend in die japanische OCHA-App hochgeladen werden. Die App hat uns im weiteren Verlauf zwei Wochen begleitet. Genauso wie zahlreiche weitere Covidtests. Wenn ich richtig mitgezählt habe, so bin ich in 14 Tagen 18 mal getestet worden. Glücklicherweise Großteils nur per Speichelprobe.

Nach der Landung in Narita am Mittwochnachmittag sah ich mich schließlich erstmals mit den drei Schlagworten konfrontiert, die sich wie ein roter Faden durch die kommenden Wochen ziehen sollten: Disziplin, Geduld, Isolation. Es war die erste Gelegenheit mich im Hibernationsmodus zu üben - sehr hilfreich jetzt in der Quarantäe. Es folgte endlose Bürokratie, ein Covidtest und das Warten auf das Resultat, bis es dann weiter durch die Immigration zum Gepäck und zum Bus ging.

Sechs Stunden waren seit der Landung vergangen, als ich mich endlich erschöpft auf mein Hotelbett in Shinjuku im Zentrum Tokyos fallen ließ und mir mit den letzten Kräften eine Portion japanisches Curry via Uber Eats aufs Zimmer orderte. Und mit sechs Stunden gehörte ich schon zu den ganz schnellen; waren wir doch der erste Flug in jenem Time Slot gewesen - und zudem nur halbvoll.



Unterkunft

Als Technische Offizielle waren war natürlich nicht im Olympischen Dorf untergebracht. Stattdessen bezogen wir als Badmintondelegation zusammen mit den Rugby-Schiedsrichtern das zentral in Shinjuku gelegene Keio Plaza Hotel. Nicht, dass uns die zentrale Lage in irgendeiner Weise einen Vorteil gebracht hätte, es galt striktes Ausgangsverbot.

Aber das Hotel war noch bekannt vom Testevent bei den Japan Open in 2019 und hatte etwas vertrautes. Den Umständen entsprechend waren wir natürlich in Einzelzimmer untergebracht. Außer im Frühstückssaal war sozialer Kontakt allerdings gegen das Protokoll. Die anderen Restaurants im Hotel standen uns zwar prinzipiell zur Verfügung, waren allerdings preislich überteuert.

Mittag- und Abendessen konnten wir - sofern man nicht in der Halle im Einsatz war und dort das Catering in Anspruch nehmen konnte - via Uber Eats ins Hotel bestellen. So war zumindest für ein wenig kulinarische Abwechslung vom auf Dauer doch recht eintönigen und begrenzten Buffet in der Halle gesorgt.



Transport

Etwa 30-40 Minuten dauerte die Busfahrt vom Hotel zur Badmintonarena im Westen von Tokyo. Leider waren die Busverbindungen extrem rigide und unflexibel und für den gesamten Turnierverlauf im Vorhinein fixiert.

Für die Frühschicht, die meist um 9 Uhr Spielbeginn hatte, fuhren die Busse in den ersten Tagen um kurz vor 7 los. Für die Spätschicht fuhr der Bus nachmittags gegen 4 Uhr und nahm die Schiedsrichter von der Frühschicht um 18:30 wieder mit. Dass die Frühschicht aufgrund des sehr verstreuten Zeitplans aber meist bereits gegen 14:00 Uhr beendet sein würde, hatten die Verkehrsplaner nicht bedacht. Die Folge waren stundenlange Wartezeiten im Hinterkämmerchen, denn mehr als 3 Einsätze verteilt über 1-2 Schichten sind nun einmal bei Olympia einfach nicht drin.


Arena

Die Badmintonarena im Mashushino Forest Park in einem westlichen Randbezirk der Stadt Tokyo war uns allen noch von den Japan Open in 2019 bekannt. Zum Setup der Halle gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Bei Olympischen Spielen muss man das Beste vom Besten erwarten können und das wurde geliefert. Schade nur, dass dies ohne Publikum über die Bühne gehen musste.

Es wurde auf drei Courts parallel gespielt, wobei jeder Court komplett als TV-Court sowohl technisch als auch personell, wie bei einem Finalspiel ausgestattet war. Hawk-Eye war vom ersten Tag an auf jedem Spielfeld verfügbar. Genauso wie eine komplette TV-Crew. Alle Spiele wurden daher in High Definition live übertragen - sofern man sich die Rechte gesichert hatte.

Das chinesische Fernsehen CNTV jedenfalls stellte auf ihrer Streaming-App hinter der Paywall alle Spiele und Courts live zur Verfügung. Was ein Segen war, denn es dauerte satte drei Tage, bis man es durchgesetzt hatte, dass wir als Schiedsrichter auf einer Nebentribüne in der Halle die Spiele mitverfolgen durften. Davor musste ich im Ruheraum aufs chinesische Fernsehen zurückgreifen, um den Spielstand nebenan zu verfolgen.

Witzigerweise waren alle offiziellen Badminton-TV-Crews des OBS aus China eingeflogen. Feld 2 wurde von einem Studienkollegen der Schiedsrichterin aus Peking betreut, der eigentlich beim Jinan-TV in der Shandongprovinz angestellt ist. Ob ich etwas dagegen hätte eine kleine Botschaft auf Chinesisch aufzunehmen, fragt er mich. Ohne viel nachzudenken willigte ich ein, nicht ahnend, dass dies auf dem offiziellen Tiktok-Account von Jinan TV landen würde. Drei Tage später hatte ich 230,000 Likes und 6,000 Kommentare gesammelt. Glücklicherweise hatte ich eine Maske an um einigermaßen anonym zu bleiben - auch wenn das nicht allzu viel nützte.

Kleine Besonderheiten gab es aufgrund des Covidprotokolls. So erfuhren die 2008 in Peking das erste Mal zu sehenden Ballmaschinen eine Renaissance. Um möglichen Kontakt zwischen Spielern und Schiedsrichtern zu reduzieren waren diese automatisierten Geräte links und rechts vom Aufschlagrichter aufgestellt. Die Spieler konnten die Bälle damit selbst aus einer der drei Röhren entnehmen, die dann immer wieder neue Bälle nachschoben.

Jeder Schiedsrichter erhielt zudem ein eigenes Set an Schaumstoffaufsätzen für das Mikrofon, welches für jedes Spiel individuell immer wieder angebracht und entfernt werden musste. Damit war für ordentlich Arbeitsstress während der zwei Minuten Aufwärmphase gesorgt, wenn man sich nach dem Münzwurf in den Hochstuhl setzte: Stoppuhr an; am Tablet die Seiten, Aufschläger und Rückschlager wählen; Maske ab und vorsichtig in die Hosentasche stecken (auf Court 2 liegen denke ich heute noch zwei verlorene Masken von mir unterm Stuhl); Fernsehmikrofon an die Krawatte stecken; Plastiksäckchen aus der anderen Hosentasche entnehmen; das Schaumstoffpräservativ mühsam herausfummeln und aufs Hallenmikro murksen; Hallenmikroheadset adjustieren und auf den Kopf setzen; dreimal tief durchatmen; Blick auf die Stoppuhr; verlegenes Grinsen in die Runde; Hallenmikro anschalten und "Ready to play!"



Uniform

Zwischen Ankunft am Mittwoch und Turnierstart am Samstagmorgen lagen zwei volle Tage. Diese werden traditionell mit drei wichtigen Agendapunkten belegt. Das Einkleiden mit der offiziellen Uniform, die Rehearsals in der Badmintonarena und die Eröffnungsfeier der Spiele. Gerne hätte ich an dieser Stelle blumig vom Einlauf der Nationen im Stadion berichtet. Leider unterschied sich mein Erlebnis der Eröffnungsfeier vom gewöhnlichen ORF-Sofaolympioniken nur durch eine authentische Portion Sushi, eine Dose Asahi und japanische Kommentatoren.

Ganz anders aber natürlich die Einkleidung am Tag zuvor. Die Uniform kann man uns natürlich schlecht wegnehmen - auf Ganzkörper-Hazmat-Anzüge wurde verzichtet. Das Prozedere war etwa ähnlich wie bei den European Games in Baku 2015 (welche wiederum vom Organisationsteam von London 2012 geleitet waren und somit bereits olympischen Standard hatten) und durchaus vertraut. Per Bus wurden wir in ein eigens dafür umgerüstetes Hotel gefahren.

In einem eindrucksvollen Parcours durften wir also unsere Uniformen einsammeln und verließen eine Stunde später vollgepackt das Gebäude. Inwiefern die Gänge mit hunderten Leuten auf engstem Raum in der Schlange zwischen den Regalen mit dem hundertseitigen Covidprotokoll und den Regeln hinsichtlich "Social Distance" konform gingen, darf an dieser Stelle hinterfragt werden.

Wie dem auch sei, die Uniform war durchaus ansehnlich. Der formale Teil bestand aus leichten, grauen Anzughosen, hellblauen Hemden und einem dunkelblauen, leichten Jackett. Dazu gab es einen modischen Gürtel, eine hellrote Krawatte und einen schicken, grauen Hut. Auf dem Feld sollte für uns Schiedsrichter schließlich die formale Uniform ohne Jackett zum Einsatz kommen.

Die Linienrichter bedienten sich für die Einsätze am Feld aus dem Sortiment der "casual uniform", die aus langen, grauen Sporthosen, blutgetränkt anmutenden roten Sportpolohemden, einer hellroten Sportjacke, Asics-Turnschuhen und einem grauen Fischerhut bestand. Sehr zum Glück der Linienrichter wurde dieser Hut on-court durch eine Baseballkappe ersetzt. Sowohl Linienrichter, als auch Schiedsrichter bekamen beide Uniformsets gestellt.

An dieser Stelle muss man auch positiv erwähnen, dass das ÖOC die insgesamt 17 Technischen Offiziellen in allen Sportarten nicht vergessen hatte. Wir bekamen ein tolles kleines Ausstattungspaket mit T-Shirt, Polohemd, Trainingsjacke, Baseballkappe, kurze Hose und Sonnenbrille vom Olympic Team Austria. Dies ist in anderen Ländern nicht unbedingt üblich, wie man später sehen konnte. Auch war das ÖOC so freundlich die beiden Pakete noch rechtzeitig zu Barbara ins Tirol zu schicken, die es mir dann netterweise bis nach Tokyo mitgebrachte.



Einsätze

Die Badmintonbewerbe waren über insgesamt 10 Tage verteilt, was für einen relativ angenehmen Zeitplan mit viel Freizeit und Erholungsphasen sorgte (die man leider nicht wirklich nutzen konnte - es sei denn man ist in einem buddhistischen Kloster aufgewachsen).

Insgesamt brachte ich es auf 18 Spiele - 12 als Umpire und 6 als Service Judge. An den ersten zwei Tagen durften Schiedsrichter aus "Covid-Hochrisikogebieten" wie Großbritannien, Indonesien und Indien nur als Aufschlagrichter fungieren, was uns anderen etwas mehr Praxis im Hochstuhl einbrachte.

Höhepunkte nach der Gruppenphase waren für mich persönlich die Einsätze als Schiedsrichter im äußerst spannenden Herrendoppelviertelfinale zwischen Dänemark und China, Schiedsrichter im Mixedviertelfinale zwischen China und Korea, Schiedsrichter im Damendoppelsemifinale zwischen China und Korea, sowie Aufschlagrichter im Herrendoppelsemifinale zwischen Indonesien und Taipei.

Auch wenn es - wie erwartet - kein Finalspiel wurde, kann ich mit den Einsätzen sehr zufrieden sein. Speziell in der Knock-out-Phase waren es allesamt hochklassige Doppelspiele, die ich leiten durfte.

Zudem bliebe es uns wider Erwarten nicht verwehrt, Finalspiele in der Halle mitzuerleben. So konnten wir zumindest in kleinem Kreise bei historischen und emotionalen Momenten wie dem Olympiasieg von Viktor Axelsen live dabei sein.


Rückreise

Über die Rückreise könnte ich vermutlich noch einen weiteren langen Artikel verfassen. Streng genommen befinde ich mich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Berichts und eine Woche nach der Closing Ceremony immer noch auf der "Rückreise". Erst am Abend des 18. Augusts werde ich aus der Zentralquarantäne in einem - wie passend - "Vienna International Hotel" in Hangzhou entlassen werden, um mich dann für eine weitere Woche in Heimquarantäne in Shanghai zu begeben. Sieben weitere Nasalabstriche werde ich dann hinter mir haben - zusätzlich zu den 18 Covidtests in den zwei Wochen vor und in Tokyo.

Die Vorbereitung für die Rückreise begann bereits einen Tag vor Abflug. Um überhaupt für den Flug einchecken zu können benötigt es einen grünen Health Code der chinesischen Botschaft in Tokyo. Dafür ist ein Double-Negative-Zertifikat von einem von der Botschaft akkreditierten Krankenhaus vorzuweisen und in eine App hochzuladen. Freundlicherweise durfte ich meine Tests über die eigens für die chinesische Delegation eingerichtete Laborstelle in einem Hotel in der Nähe des olympischen Dorfs machen.

Dort wurden alle Mitglieder der Delegation und der Charterflüge, die täglich zwischen Peking und Tokyo pendelten, durchgeschleust. Für Reisende auf Zivilflügen bedeutete das einmal Nasenabstrich für den PCR-Test und einmal Blut abnehmen für den IgM-Antikörpertest. (Die Athleten auf dem Charterflug brauchten sogar zwei Tests von zwei verschiedenen Laboren)

Das Zertifikat wurde uns dann noch am selben Abend vom chinesischen Covid-Liaison-Officer via WeChat übermittelt. Dies war dann mitsamt allen anderen Daten und Zertifikaten hochzuladen und wurde im Anschluss von der Botschaft verifiziert. Als ich am nächsten Vormittag auf dem Weg zum Flughafen war, wechselte mein Code schließlich zu grosser Erleichterung die Farbe und ich hatte "Green Light" für den Rückflug.

Dieser war dann auch angenehm ereignislos. Und als ich zweieinhalb Stunden später am Hangzhouer Flughafen landete, war ich wiederum sehr überrascht, wie schnell die Einreiseformalitäten sein können, wenn es nur einen Flug am Tag gibt. Knappe 60 Minuten dauerte der Prozess von Landung über Nasalabstrich, Immigration und Gepäckausgabe bis in den Bus. (Das schafft man in Shanghai nicht einmal zu normalen Zeiten).

Wenig später verschloss sich dann die Tür meines kargen Hotelzimmers, dessen Schwelle ich 14 Tage nicht mehr überschreiten werden würde. Es folgten zwei Wochen bei Reis und Wasser und meditativer Selbstdisziplin. Aber immer noch angenehmer als die 21 Tage, die von den Kollegen in Peking gefordert wird.




David Schwerin, August 2021


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